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Aus der Geschichte des Schlosses Teplice


z_dejin_teplickeho_zamku_1.jpgDie Architektur des Schlosses wird von verschiedenen Baustilen geprägt, beginnend mit dem romanischen bis hin zum historisierenden des 19. Jh. Die Anfänge reichen bis in die 2. Hälfte des 12. Jh. zurück, als Königin Judita „an den warmen Wassern“ ein Kloster der Benediktinerinnen mit einer Kirche gründete, das Johannes dem Täufer geweiht war. Am Kloster lag ein Dorf, woraus sich Ende des 13. bis Anfang des 14. Jh. die Stadt Teplice entwickelte. Während der Hussitischen Kriege wurde das Kloster beschädigt, seines Eigentums bemächtigte sich der Hussitenhauptmann Jakoubek von Vřesovice und die Nonnen verließen es in den 30er Jahren des 15. Jh. In den 60er Jahren des 15. Jh. übertrug Jiří von Poděbrady die Klosterherrschaft auf seine Gemahlin Johanna von Rožmital und die Gebäude des Klosters wurden zu ihrem befestigten Sitz umgebaut, in den Chroniken auch Burg, Schloss oder Festung genannt. Nach dem Tode der Königin Johanna wechselten die Besitzer mehrfach und eine größere Bautätigkeit begann erst in der Zeit Volfs von Vřešovice, des höchsten Schreibers des Böhmischen Königreichs, Hauptmann der Prager Burg und Präsident der Böhmischen Kammer, der die Herrschaft von Teplice 1543 bis 1569 innehatte. Aus dieser Gotik-Renaissance-Phase blieb der Erdgeschossteil des Hauptgebäudes mit Durchfahrt und Steinportal, der untere Teil des Westturms und die Schlosskirche erhalten, in der auch Volf 1569 beigesetzt wurde. Seit 1585 war Teplice im Besitz des Geschlechts der Vchynský. Während ihrer Regierungszeit wurde der Bau des Haupttraktes beendet und mit Arkaden ergänzt. Dieses Gebäude wurde Neues Schloss genannt, während das umgebaute östliche, südliche und westliche Gebäude des ehemaligen Klosters, von denen der Innenhof gebildet wurde, nach schriftlichen Quellen das Alte Schloss hieß. Die Gebäudeecken des Neuen Schlosses wurden durch Türme mit Kuppeln verstärkt. Zu dieser Zeit stand bereits ein in den Park hineinreichender Westflügel des Haupttraktes. Am östlichen Rand des Schlossgeländes entstand um 1600 ein Lusthaus, nun Kolostuj-Türmchen genannt. Nach dem Tode des letzten tschechischen Besitzers von Teplice, Vilém Vchynský, der 1634 gemeinsam mit Albrecht von Waldstein in Eger ermordet wurde, ging die Herrschaft auf den kaiserlichen Marschall Johann Aldringen über. Unter seinen Nachfolgern, den Clary-Aldringen, begann in der 2. Hälfte des 17. Jh. der barocke Umbau des Schlosses, wobei der ältere Westflügel abgetragen und stattdessen das Neue Gebäude errichtet wurde, in dessen Erdgeschoss die Pferdeställe waren. Der herrschaftliche Baumeister Christian Lagler baute im ersten Drittel des 18. Jh. in dichter Nachbarschaft zum Schloss das Gartenhaus (heute ist dort ein Casino), und sein Werk ist wahrscheinlich auch die Barockvoliere mit den Gartentreppen neben den Kolostuj-Türmchen. Ein grundlegender Umbau des Schlosses im Geiste des Spätbarocks begann dann 1751 und veränderte im Wesentlichen die innere Disposition der 1. und 2. Etage des Hauptgebäudes. Eine weitere Umbauphase, um 1787 beginnend, hat bereits klassizistischen Charakter. Zum rechten, westlichen Flügel (Neues Gebäude) wurden 1787-89 ein Theater und Gartensalon angebaut, in den vom Park aus dekorative Stufen führten. Die Baumaßnahmen an der Wende des 18. zum 19. Jh. gaben der Front des Hauptgebäudes sein monumentales Aussehen, verstärkt durch Arkaden im Erdgeschoss, so dass starke Sockel entstanden, aus denen die hohen Pfeiler der toskanischen Ordnung hervorgehen. Die Oberfläche der Fassade wurde mit einer Quaderung versehen. Die neue Fassade in Richtung Schlossplatz bekam ein einfaches klassizistisches Aussehen. Die Schlosskirche und ebenfalls das Süd- und Ostgebäude des Alten Schlosses erfuhren eine Umgestaltung im Sinne einer romantisierenden Gotik. Die Barockkuppel des Westturms wurde 1817 klassizistisch umgebaut und der östliche Turm bis zum heuten Stand verkürzt. Die historisierenden Umgestaltungen, die Ende des 19. Jh. begonnen wurden, griffen auch auf das Interieur der 1. Etage über, mit einem Durchbruch der Arkade zu den benachbarten Räumen und ebenso der Innenhof, wo eine Terrasse und Stützmauer mit Balustrade errichtet wurden. 1929-31 wurde das Schlosstheater in Wohnräume und Bibliothek umgebaut. Im Inneren des Schlosse sind wertvolle Ausstattungen erhalten, z.B. ein Saal mit einer bemalten Kassettendecke, ein Rokokosaal mit reicher Stuckatur, von französischen Handwerkern um 1772 angefertigt, oder auch Zimmer mit Rokoko-, Empire- und Biedermeier-Einrichtungen. Diese Räume waren einst Zeuge persönlicher Besuche und auch politischer Treffen der europäischen Herrscher und eines reichen gesellschaftlichen Lebens, dem Persönlichkeiten wie Fürst Charles de Ligne, Giacomo Casanova, J. W. Goethe, Frédéric Chopin, Franz Liszt u.a. Glanz verliehen.
Sitz der Clary-Aldringen war das Schloss bis Anfang Mai 1945, dann ließ sich der letzte private Besitzer Dr. jur. Alfons Clary-Aldringen und Mitglieder seiner Familie nach verschiedenen Peripetien in Deutschland, Italien und den USA nieder. 1947 ging das Schlossgebäude in die Nutzung des Museums Teplice über.

Mag. Jitka Budinská